Interview mit Kurator Rüdiger Lange

Interview mit Kurator Rüdiger Lange

Interview mit Kurator Rüdiger Lange 1600 1200 GLINT

LICHT MACHT KUNST

Herr Lange, Sie haben in Kooperation mit COPRO die Ausstellung im Haus GLINT realisiert. Was erwartet uns dort?

In der Ausstellung »Standard International #4 Spatial Clearings« dreht sich alles um das Thema Licht. Licht ist DAS Element: ohne Licht kein Leben. Licht macht Dinge sichtbar, weckt Neugier und fordert heraus. Licht ist natürlich auch für die Wahrnehmung von Raum und Architektur elementar, die Beziehung Kunst-Licht ist grundsätzlich vorgegeben und wird doch immer wieder variiert. Das macht dieses Thema extrem spannend. Einige Variationen werden bei der Ausstellung zu sehen sein.

Welche Künstler sind dabei?

Den Auftakt bildet eine Arbeit von Moritz Wermelskirch: die Lichtinstallation »Standard International #3 Spatial Radiations«. Es folgen im Rahmen einer kuratierten Gruppenausstellung weitere international agierende Künstler und Lichtdesigner mit ganz unterschiedlichen Arbeiten und Positionen. Von Installationen über Projektionen, Stills, Plastiken bis hin zur Malerei ist alles dabei.

Welche Rolle spielen die Räumlichkeiten?

Zunächst ist es eine tolle Gelegenheit für die Künstler, sich an diesem besonderen Ort zu präsentieren. Das Haus liegt mitten im Regierungsviertel und hat eine außergewöhnliche Historie, die in den Räumen sichtbar wird: Hier trifft die Opulenz der Gründerzeit auf DDR-Chic und Hausbesetzerästhetik. Das bietet natürlich sehr viel Inspiration, aber trotzdem sollen die Arbeiten ihre Autonomie behalten. Sie treten indirekt in einen Dialog mit dem Raum.

Wird das Thema Kunst auch im fertigen GLINT eine Rolle spielen?

Selbstverständlich. Es gibt dazu auch schon einige Überlegungen.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit COPRO?

Das begann schon 1997. Marc F. Kimmich war damals Projektentwickler in den Edison Höfen. Wir haben gemeinsam mit weiteren Akteuren eine Vision entwickelt, um diese Räume, Flure und Hallen mit Leben zu füllen, ein interdisziplinäres Kulturprogramm anzubieten, das es damals noch nicht in dieser Form gab. Es gab Ateliers, eine Lounge, den Internetradio-Pioneer convex tv. und viele weitere, auch temporäre Projekte. Diese Art von Kooperation war völlig neu und sehr erfolgreich. Das war eine richtige Welle, die da entstanden ist.

Was hat die COPRO von einer Ausstellung wie im GLINT?

Der Mehrwert ist schwer zu definieren. Es geht dabei eher um eine Haltung. Wenn man die künstlerische Reflexion einbezieht, entsteht auf vielen Ebenen eine neue Qualität des Wohnens, des Handelns, des Denkens. Das ist eine Kultur, die den Dialog fördert — und das ist für alle Seiten bereichernd.

Wann haben Sie eigentlich Ihre Leidenschaft für Kunst entdeckt?

Über den Bildhauer Thomas Lenk. Ich war der Judolehrer seiner Töchter, damals in Süddeutschland. Als ich die Familie zuhause besuchte, war ich tief beeindruckt von der Kunst, die dort vorhanden war. Das war eine neue Welt für mich.

Was reizt Sie an der Rolle des Kurators?

Ich begreife mich als kultureller Seismograph, der sich mit zeitaktuellen Fragen und den Produkti- onsbedingungen des Kunstbetriebs im Kontext von Politik und Gesellschaft beschäftigt: Wie lebt man? Wie arbeitet man? Was wird produziert? Unter welchen Einflüssen und Bedingungen? Wie werden Räume gestaltet? Diese Fragen faszinieren mich.

Können Sie sich ein Leben ohne Kunst vorstellen?

Wäre Kunst ohne Leben denkbar?

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