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GLINT und die Gründerzeit: Erfahren Sie mehr über die Geschichte des Hauses

GLINT und die Gründerzeit: Erfahren Sie mehr über die Geschichte des Hauses

GLINT und die Gründerzeit: Erfahren Sie mehr über die Geschichte des Hauses 3182 1461 GLINT

Das GLINT ist ein historisches Wohnensemble aus der Gründerzeit. Doch wofür steht diese Epoche? Informieren Sie sich über diese ereignisreiche Phase des deutschen Kaiserreiches und welche architektonischen Neuerungen mit ihr einhergingen.

Historische Glinkastrasse_GLINT_Berlin
Bild: Jonas Holthaus, GT Development GmbH


Die Gründerzeit – ein Überblick

Das Wort „Gründerzeit“ wird unterschiedlich verwendet. Im weiteren Sinne bezeichnet die Gründerzeit eine Phase des deutschen Kaiserreichs im 19. Jahrhundert, die mit der Industrialisierung begann und mit dem “Gründerkrach”, dem Börsenabsturz von 1873, endete. Im engeren Sinne sind die Jahre 1871-1873 gemeint, also die ersten Jahre nach der Gründung des deutschen Kaiserreichs. Sie waren geprägt durch einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, der durch die französischen Reparationszahlungen zusätzlich begünstigt wurde.

Es war eine Phase großer Veränderungen: Der Eisenbahnbau wurde flächendeckend vorangetrieben und so zum Motor der Industrialisierung. Der Kohle- und Stahlabbau erreichte neue Dimensionen. Die Menschen zogen massenhaft vom Land in die Städte, um den gestiegenen Bedarf nach Arbeitskräften zu decken. Hunderte von Aktiengesellschaften wurden in kurzer Zeit gegründet, viele davon mit rein spekulativem Charakter. Letztere trugen stark zum Börsencrash von 1873 und zur anschließenden Wirtschaftskrise bei. Der allgemeine Gründungseifer wurde namensgebend für die Epoche.


Der Reiz der Gründerzeit-Architektur

Auch wenn die Gründerzeit historisch durch viele Spannungen geprägt war: Architektonisch war sie eine reiche Blütephase. Durch die Zuwanderung der Landbevölkerung veränderte sich das Gesicht der Städte grundlegend. Um mehr Wohnraum zu schaffen, wurden bestehende Gebäude aufgestockt und miteinander verbunden, woraus sich die für Gründerzeithäuser typischen Innenhöfe ergaben. Bei der Gestaltung der Fassaden wurden oft reichhaltige Stuckverzierungen angebracht. Aber auch der auffällige Einsatz von kleinen Erkern und Türmen ist typisch für diese Epoche. Stilistisch orientierten sich diese Ornamente stark an wichtigen Phasen der Architekturgeschichte, die verspielt neu interpretiert wurden. Kunsthistoriker unterteilen die Gründerzeit daher weiter in  Spätklassizismus, Neoromanik, Neogotik, Neorenaissance und Neobarock.

Das GLINT spiegelt viele dieser architektonischen Gründerzeit-Merkmale wider. In den Jahren von 1873 bis 1886 in mehreren Abschnitten fertiggestellt, vereint der für die Zeit typische zentrale Innenhof die vier Gebäude. Auch viele kleine Details zeugen vom Stil der Gründerzeit – beispielsweise die schmiedeiserne Eingangstür des Eckgebäudes oder die alten Bodenfliesen, Deckenornamente und Treppengeländer im Inneren. Zum Teil werden im Zuge der Renovierung auch gründerzeitliche Elemente neu interpretiert. So zum Beispiel im Falle des zerstörten Turms, der ursprünglich das Eckgebäude schmückte. Bald wird er in einer modernen Fassung, die aber dennoch Bezug auf die Gründerzeit nimmt, wieder zu sehen sein. Überhaupt zeichnet die Rekonstruktion des Gründerzeithauses die Synthese aus Tradition und Moderne aus.

Bilder: Jonas Holthaus, GT Development GmbH


Die Entstehungsgeschichte der GLINT-Häuser

Der unterschiedliche Charakter der vier Häuser vom GLINT ist bis heute deutlich sichtbar. Die Taubenstraße 53 präsentiert sich klassizistisch, während die beiden Adressen in der Glinkastraße durch interessante Gegensätze wie die unterschiedliche Gebäudebreite und -höhe auffallen. Das herrliche Eckhaus mit seinem repräsentativen Eingangsbereich vervollständigt das Ensemble. Erfahren Sie mehr über die individuelle Entstehungsgeschichte der jeweiligen Häuser.

Taubenstraße 51-52

Die Fertigstellung des Eckgebäudes erfolgte 1886. Eigentümer des Hauses war der Kaufmann Bruno Felisch. Das Bauwerk verfügte in seiner ursprünglichen Form über mehrere, für die Gründerzeit typische Erker. Davon reichte einer vom ersten bis zum dritten Stock, abgeschlossen von einem Balkon. Die Wohnungen waren geräumig, mit WC, Badezimmer und sogar Zentralheizung ausgestattet. Neben dem aufwändig gestalteten Eingangsbereich mit Pförtnerloge ist besonders der ursprüngliche, 13,40 m hohe Turm zu erwähnen. Mit seinem Schieferdach, eiserner Spitze und vergoldeter Kugel muss er den Zeitgenossen sofort ins Auge gefallen sein.

Taubenstraße 53

Das Gebäude wurde im Jahr 1881 baulich vollendet. Eigentümer des Hauses war der Schlachtermeister Heinrich Haberecht. Die Fliesen vor dem Ladenlokal im Erdgeschoss tragen bis heute seinen Namen. Auch ein Bankier Oppenheim residierte hier. Im Hinblick auf seine Gründerzeit-Architektur sticht besonders das Treppenhaus mit seinen Zierbändern und Fensteroliven hervor, die mit zahlreichen Akanthus- und Mäander-Ornamenten versehen sind.

Glinkastraße 19

Im Jahr 1873 erfolgte die Fertigstellung der Glinkastraße 19. Bauherr war der Landschaftsmaler Charles Hoguet, seine Witwe war ab 1880 die eingetragene Eigentümerin. Sie bewohnte die repräsentative Beletage im ersten Stock, die bis heute durch das schöne Eichen-Mahagoni-Parkett, die Flügeltüren mit Messingbeschlägen und die eingebauten Nischen für Skulpturen beeindruckt. Im Hochparterre war eine Bank untergebracht. 1952 wurde das Mansardendach zu einem Vollgeschoss ausgebaut und das Gebäude erhielt seine heutige Höhe.

Glinkastraße 21

Als vorletztes Gebäude wurde die Glinkastraße 21 im Jahr 1884 baulich abgeschlossen. Eigentümer war der Butterhändler Friedrich Heinrich Gustav Krafft, der zunächst extra das ursprünglich zweigeschossige Gebäude abreißen ließ. Besonders auffällig am Neubau: Der Kaufmann errichtete das fünfte Obergeschoss im Fachwerkstil. Aber auch die vielen Erker und Balkone sowie die Steingutfliesen im Treppenhaus bereicherten dieses Gründerzeithaus. Die Wohnungen verfügten sogar über moderne Toiletten.

Erleben Sie die Gründerzeit in neuem Glanz

Im GLINT vereinen sich die Gründerzeit und die Moderne zu einem harmonischen Ganzen. Die historische Bausubstanz wird einerseits berücksichtigt und zum Teil wiederhergestellt. Andererseits interpretiert das GLINT aber auch viele verloren gegangene Elemente der Gründerzeit neu, beispielsweise den auffälligen Turm des Eckgebäudes. Dieser Alt-Neu-Spannungsbogen zeigt sich auch an den modernen Wohnungen, die sich hinter der historischen Fassade befinden.

Wenn Sie jetzt selbst mit dem Gedanken spielen, im GLINT einzuziehen: Das exklusive GLINT-Buch hält viele weitere spannende Informationen zur Geschichte dieses Gründerzeit-Juwels bereit.

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