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Der Charme ist die Kommunikation aus Alt und Neu

Niemand kennt GLINT so gut wie Anastasia Gräfin von Bothmer und Christopher Graf von Bothmer. Die Renovierung des Gründerzeitensembles ist zurzeit die größte – und schönste – Aufgabe des Architekten-Ehepaars. Im Interview sprechen die beiden über ihren Anspruch, das Historische in die Moderne zu transferieren und jeder Wohnung eine eigene Qualität zu geben. Besonderes Augenmerk legen Von Bothmer Architekten auch auf die Community der zukünftigen GLINT-Bewohner.

GLINT zeichnet sich nicht nur durch seine beste zentrale Lage in Berlins Mitte aus, sondern vor allem auch durch die historische Bausubstanz, die unter Denkmalschutz steht. Welchen Charakter wird das Ensembles Ecke Glinka- und Taubenstraße nach seiner Sanierung tragen?

Christopher Graf von Bothmer:
Dass das Ensemble unter Denkmalschutz steht, ist ja auf den ersten Blick gar nicht nachzuvollziehen - die Fassaden sind abgestuckt und schmucklos, die Dächer nach dem Krieg als Notdächer einfach errichtet. Bei näherer Betrachtung sieht man aber an vielen Details wie der verzierten schmiedeeisernen Eingangstür der Eckgebäudes, dass die Häuser in ihrer Jugend einmal eine Schönheit gewesen sein müssen. Das wollen wir wieder herausholen ohne dabei den Ursprungszustand zu imitieren. Es werden wieder nach den Regeln der Gründerzeit fein gegliederte Fassaden entstehen und die neuen Dächer und Traufen werden sich an den ursprünglichen großzügigeren Proportionen orientieren und nach oben den würdigen Abschluss der gründerzeitlichen Fassaden bilden. Dennoch wird es einen Alt-Neu-Spannungsbogen geben, der sich in der Dachgestaltung und vor allem zwischen Innen und Außen vollzieht.

GLINT besteht ja aus vier Häusern – die unterschiedlichen Adressen sind an den verschiedenen Fassaden deutlich ablesbar. Damals wie heute und wie also auch in der Zukunft?

Christopher Graf von Bothmer:
Ja, das wird so bleiben. Die Grundidee besteht darin, die einzelnen Bestandsgebäude von innen zu einem Ensemble zu vereinen. Das passiert in erster Linie durch einen zentralen Innenhof. Dafür wird ein alter, sehr kleinteiliger Gebäudeteil abgerissen, in dem früher Küchen und die Kammern der Bediensteten untergebracht waren. Das ist nicht nur für die engen baulichen Verhältnisse gut, sondern wir schaffen mit dem Hof einen Bereich der Gemeinschaft – das ist uns ein zentrales Anliegen..

Warum ist Ihnen der Gemeinschaftsgedanke so wichtig?

Anastasia Gräfin von Bothmer:
Wir erwarten eine national-international-gemischte Klientel als Bewohner von GLINT. Gerade als Gegenentwurf zu einer anonymen Großstadt finden wir es wichtig, dass diese Nachbarn sich begegnen. Wir geben ihnen dafür ein Forum – im Hof, in der Kaminlounge, auch im Eingangsbereich. Man wird begrüßt in seinem eigenen Zuhause, nicht nur vom Concierge, sondern auch von den Menschen, mit denen man Tür an Tür lebt. Einfach, weil man sie immer wieder trifft. Weil es eben auch außerhalb der eigenen vier Wände Orte gibt, an denen man gerne verweilt. Die neue Wohnung wird so schneller ein Zuhause.

Bleiben wir noch kurz in der Vergangenheit. Was macht GLINT zu einem historisch-wertvollen Ensemble?

Christopher Graf von Bothmer:
Die vier Häuser wurden in einer relativ kurzen Zeitspanne gebaut – innerhalb von nur 13 Jahren, 1873 bis 1886. Dennoch haben sie einen unterschiedlichen Stil: Die Taubenstraße 53 ist mit ihrer ruhigen streng gegliederten Fassade klassizistisch geprägt, das Dach springt nach hinten, ist von der Straße aus kaum zu sehen. Die beiden Adressen in der Glinkastraße sind zwei feine für die Gründerzeit eher kleinere Gebäude, die bei gleicher Anzahl von Fensterachsen durch ihre unterschiedliche Gebäudebreite und -höhe ein sehr schönes Wechselspiel miteinander eingehen - wie ein ungleiches Brüderpaar. Herzstück des Ensembles ist natürlich das Eckhaus – wir sind sehr froh, dass wir das haben.

Anastasia Gräfin von Bothmer:
Es gibt ein einziges altes Foto von dem Eckgebäude, wie es kurz nach seiner Fertigstellung wirklich aussah. Das auffallendste Merkmal ist natürlich der Turm, der eine geradezu verspielte Form und reiche Verzierungen aufweist. In der Jetzt-Zeit ist nichts davon erhalten, aber man spürt, dass etwas fehlt. Es bleibt uns also nur das historische Bild. Es ist eine der schönsten, aber auch eine der schwierigsten unserer Aufgaben, diesen Turm neu zu interpretieren.

Besteht der Denkmalschutz auf eine originialgetreue Rekonstruktion?

Christopher Graf von Bothmer:
Nein, eine Rekonstruktion der aufwendigen Fassade und des Turms wird nicht gefordert, wir werden aber die ursprünglichen Gliederungselemente wie Gesimse und Lisenen in reduzierter Form wieder aufnehmen und eine glatte Putzstruktur herstellen, um die verlorengegangene Finesse der Fassade zurückzugewinnen. Dem Denkmalschutz und uns ist zudem ein Erhalt der heterogenen Kubatur und Fassaden der einzelnen vier Gebäude wichtig, was den individuellen Charakter jedes Hauses unterstreicht. Bei den Dächern können wir durch den Einsatz von großflächigen Atelierverglasungen in den steilen Dachflächen sowie die Wiederherstellung der teilweise 5 Meter hohen Gauben des Eckgebäudes, die äußere Gestalt des Ensembles denkmalgerecht wieder herstellen und gleichzeitig spektakuläres Wohnen in den Rooftops realisieren.

Erzählen Sie uns bitte vom neuen Turm …

Anastasia Gräfin von Bothmer:
Wir haben uns ganz viel inspirieren lassen – man könnte fast sagen, wir suchen und sehen überall Türme und studieren diese.

Christopher Graf von Bothmer:
So ein Turm ist ein sehr selbstbewusstes Zeichen für ein Haus. Fast wie bei einer Kirche im Dorf. Dieses Statement soll GLINT wieder ausstrahlen. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Form und die Materialien, die Verwendung finden. Die alten Proportionen nehmen wir ernst und geben ihnen eine moderne Sprache: Eine Stahl-Glas-Konstruktion wird die historische Form aufnehmen, die tragende Konstruktion von außen aber kaum sichtbar sein, sie wird nur durschimmern. Schimmern ist übrigens auch die deutsche Übersetzung des Wortes Glint.

Anastasia Gräfin von Bothmer:
Der neue Turm wird über eine geschwungene skulpturale Treppe begehbar sein und einen 360-Grad-Berlin-Blick freigeben, der seinesgleichen sucht: Reichstagkuppel, Gendarmenmarkt und quer über den Großen Tiergarten – hier zeigt sich die besondere Lage in Vollendung.

Gibt es noch mehr Beispiele für dieses spannende Zusammenspiel aus Vergangenheit und Zukunft?

Christopher Graf von Bothmer:
Das Originalste an den Häusern sind die Eingangsbereiche und die Treppenhäuser – die alten Bodenfliesen, Deckenornamente, Treppengeländer, die gusseisernen Verzierungen an den Eingangstüren und Toren, da lässt sich viel Geschichte ablesen. Auch der Hofbereich mit seiner Ziegelfassade, wo die einzelnen Steine in Mustern gelegt sind, gehört zu den tollen historischen Details. Jetzt geht es nicht darum, das eins zu eins zu rekonstruieren, aber auch nicht, ins Gegenteil zu verfallen und um jeden Preis Kontraste zu erzeugen. Alle ergänzenden Bauteile sollen in Kontinuität zu den alten Gebäuden entstehen und sich durch ihre Wechselwirkung gegenseitig verstärken.

Anastasia Gräfin von Bothmer:
Eines meiner Lieblingsdetails ist die antike Concierge-Kanzel im Treppenhaus, die ein Zeugnis des damaligen großbürgerlichen Lebens darstellt. Vielleicht machen wir sie zu einer Paketannahmestelle für die Gemeinschaft, vielleicht werden wir sie auch mit Licht inszenieren.

Sie sprechen vom großbürgerlichen Leben um 1900. Wie hat sich das Wohnen seither verändert und wie wirkt sich das auf Ihre Entwürfe aus?

Anastasia Gräfin von Bothmer:
Am meisten haben sich die Küchen und Bäder verändert, natürlich in den letzten 150 Jahren, aber auch noch in den letzten zehn. Heute wird kaum mehr über separate, kleine Räume diskutiert – im Gegenteil, die Grundrisse werden geöffnet. Die Familie, die Gemeinschaft öffnet sich, und das das zeigt sich eben auch im Inneren der Wohnungen.

Wie bringen Sie diese neuen Wohnqualitäten in die alten Strukturen der Häuser?

Christopher Graf von Bothmer:
Die alte Idee von einem dunklen Flur, von dem dann die Türen zu den einzelnen kleinen Zimmern abgehen, existiert so nicht mehr. Wir schaffen viel mehr einen Raumfluss: Alle Räume fließen ineinander. Das kann durch ganz offene Bereiche entstehen, wie beispielsweise dem Bad als Teil des Schlafzimmers, oder wir schaffen Transparenz mit Glaswänden und -türen. Die Räume kommunizieren miteinander. Da wo sie es über die großzügigen Flügeltüren bereits in der Vergangenheit getan haben behalten wir dies natürlich bei.

Anastasia Gräfin von Bothmer:

Zentrum dieser Kommunikation ist eine Wohnküche, die wir bei GLINT gern in den Berliner Zimmern integrieren. Die sind typisch für die Gründerzeitbebauung mit Seitenflügen und Hinterhäusern. Die räumliche Großzügigkeit bietet sich für diesen Grundriss meist gut an, und somit finden historisches Flair und moderne Technik und Küchendesign hier oft besonders gut zusammen. Es ist unser Ziel, jeder Wohnung eine Qualität zu geben – und die beginnt immer beim Grundriss.

Christopher Graf von Bothmer:

Der Charme ist auch hier die Kommunikation aus Alt und Neu.

Das setzt sich auch bei den Materialien fort, die Sie verwenden.

Christopher Graf von Bothmer:
Die Materialien, die noch original im Bestand erhalten sind, erzählen bereits von sich aus eine Geschichte – von den Fliesen bis zum Parkett. Neu eingebaute Materialien müssen dagegen bestehen können, sei es in ihrer Wertigkeit oder in ihrer handwerklichen Bearbeitung. Wir setzen gern auf natürliche Baustoffe wie Holz und Schiefer – und suchen dann auch die Betriebe und Handwerker aus, die genau zu diesem Projekt passen. Im zentralen Hof nehmen wir bestimmt das Thema Ziegel neu auf. Der Hof prägt ja das ganze Ensemble, er wird ja nicht nur neu gestaltet, sondern vor allem auch neu bespielt. Da muss mehr Licht rein, mehr Grün, mehr Qualität. Es wird schöne Blickachsen geben mit Ebenen und Tiefen.

Anastasia Gräfin von Bothmer:
Der Hof wird eine richtige Überraschung werden: eine kleine Oase mitten in der Großstadt, die man an diesem Ort einfach nicht erwartet. Für uns ist das eine Spielwiese, wir haben viele Ideen für die Entwürfe: Grün über mehrere Etagen, Kunst in den alten Nischen, vielleicht kleine Wasserläufe. Gartenplätze.

Vor der Haustür von GLINT liegt ja in der Tat das pralle Berliner Leben …

Anastasia Gräfin von Bothmer:
Ja, in Laufweite findet sich hier alles. Nur eine Straße weiter liegen die tollsten Läden der Friedrichstraße, der Gendarmenmarkt, der Pariser Platz mit dem Brandenburger Tor und gleich daran anschließend dem Großen Tiergarten ist in nur ein paar Gehminuten zu erreichen. Dennoch ist die Ecke Tauben-/Glinkastraße relativ ruhig, sie liegt abseits der Touristenströme und verspricht Ruhe und Rückzug.

Christopher Graf von Bothmer:
Sogar das Haus strahlt irgendwie eine gewisse Ruhe aus. Das soll unbedingt so bleiben. Die Öffentlichkeit, die wir mit der Belebung der Erdgeschosse und des Innenhofes schaffen, schaffen wir für die Bewohner. Sie sollen hier nicht nur wohnen, sondern zu Hause sein.

Eine wohlbehütete Schönheit, neu interpretiert

Entdecken Sie ein außergewöhnliches Ensemble, das Vergangenheit und Zukunft verbindet. Historische Details werden restauriert, neu interpretiert und an die Bedürfnisse der heutigen Zeit angepasst. Mit Finesse, Stil und viel Liebe zum Detail haben von Bothmer Architekten den Glanz vergangener Tage zu neuem Leben erweckt. Ein gelungenes Beispiel für die Transformation einer historischen Gründerzeitarchitektur ins 21. Jahrhundert.


Historie

Alle vier Gründerzeithäuser von GLINT stammen aus den Jahren 1873 bis 1886. Sie sind typische Exemplare ihrer Zeit: Mit bis zu fünf Etagen, Seitenflügeln und Hinterhäusern bilden sie ein Ensemble. Ihre Fassaden und Dächer sind reich an Ornamentik, ihre Treppenhäuser aufwendig gestaltet, die Wohnungen glänzen durch hohe Räume, zeittypischen Stuck und große Flügeltüren. Eine Besonderheit: das filigran verzierte Türmchen mit Schieferdach, das wie eine Krone das Eckgebäude ziert.


Die Grundidee besteht darin, die einzelnen Bestandsgebäude von innen zu einem Ensemble zu vereinen.
CHRISTOPHER VON BOTHMER ARCHITEKTIN

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Kaufmänner, Bankiers, Unternehmer, Handwerker und Künstler wohnen hier, darunter wohl auch der Landschaftsmaler Charles Hoguet. Im Zweiten Weltkrieg werden die Häuser durch Bombentreffer beschädigt. Es folgt eine Notsanierung und Abstuckung in der DDR-Zeit. Nach der Wende steht das Ensemble viele Jahre lang leer. 2017 ist nun endlich das Jahr von GLINT: Hinter die historischen Fassaden zieht neues Leben ein.

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Interview mit den Architekten
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DAS ENSEMBLE:

HISTORISCH-WERTVOLL

GLINT zeichnet sich nicht nur durch seine besonders zentrale Lage im Herzen Berlins aus, sondern auch durch die historische Bausubstanz. Die Gründerzeithäuser werden durch einen Neubau ergänzt und von innen zu einem Ensemble vereint. Dies erfolgt in erster Linie durch einen zentralen Innenhof, von dem aus jedes Haus begehbar sein wird. Der Hof wird als urbane Oase zum Communitybereich – ein zentrales Anliegen der Architekten Anastasia und Christopher von Bothmer. Sie wollen Orte schaffen – im Hof, in der Kaminlounge und im Eingangsbereich –, wo man nicht nur vom Concierge, sondern auch von seinen Nachbarn begrüßt wird. Die neue Wohnung wird so schneller ein Zuhause.

Teil des architektonischen Konzepts ist ein Alt-Neu-Spannungsbogen, der sich in der Dachgestaltung und vor allem zwischen Innen- und Außenbereich vollzieht. Durch den Einfluss der Denkmalpflege wird die äußere Anmutung eine historische bleiben. Die klassisch gründerzeitlichen Fassaden, Traufhöhen und Fensterformate unterstützen diesen Eindruck. Ein architektonisches Highlight wird der neue Turm sein. Er verleiht GLINT zusätzlichen Glanz.

Zum Interview


Innenhof
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HOSTA

Der Hof prägt das gesamte Ensemble und wird neu gestaltet — mit mehr Licht, mehr Grün und mehr Qualität. Es wird schöne Blickachsen geben mit reizvollen Ebenen und Tiefen. Grüne Bepflanzung über mehrere Etagen, Kunst in den alten Nischen, kleine Wasserläufe und Gartenplätze sind ebenfalls geplant. Der Hof soll Menschen zusammenbringen, denn er ist der Übergang vom Privaten zum öffentlichen Raum. Eine kleine Oase inmitten der Großstadt, die man an diesem Ort nicht erwartet hätte.

HYDRANGEA PETIOLARIS
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AMELANCHIER
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Eine Oase

inmitten der Großstadt

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POLYPODIUM CALIFORNICUM

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